Arbeiten bei MassageWelt?

Ich liege auf der Couch, die Füße auf dem Tisch, und blättere alle bekannten Online-Jobbörsen durch. Im Hintergrund nehme ich den Lärm von MTV wahr. Ich habe aber gerade andere Sorgen. Arbeit suchen, einen Nebenjob. Und am liebsten auch noch einen, der mir Spaß macht.
Das Angebot ist enorm! Kassiererin, Bedienung, Barfrau, Lagermitarbeiterin, Verkäuferin bei Wohltätigkeitsorganisationen, Mitglied eines Promotion-Teams und so weiter und so weiter…
Aber das ist alles so furchtbar langweilig! Und der Verdienst lässt auch zu wünschen übrig. Gibt es denn wirklich gar nichts, was mir Spaß macht, mich herausfordert, und womit ich auch noch einigermaßen gut verdienen kann? Frustriert lege ich mein Handy weg und schlafe ein.

„Null sechs, null sieben, null sechs, null sieben, wenn du wartest, dann komme ich, du wirst es lieben!’

 

Masseuse Massagewereld

Was? Ich schrecke auf und zwei halb nackte Damen werfen mir vom Fernsehbildschirm einen aufreizenden Blick zu. Plötzlich bin ich hellwach. Vielleicht ist ein Job in der – wie nennt man das eigentlich? – Privatbranche ja etwas für mich. Ich bin zwar allein zu Hause, dennoch geniere ich mich ein bisschen, als ich mein Handy nehme und mir auf Google die enorme Auswahl an Stellenangeboten ansehe. Bei manchen verstehe ich nicht einmal, worum es geht.

Kann ich das wohl? Sex mit Wildfremden und mich dafür bezahlen lassen?

Eigentlich würde ich es ganz gern mal ausprobieren, aber ich weiß, wie ich bin – das würde mich nicht glücklich machen. Dann setze ich mich noch lieber für fünf Euro pro Stunde hinter die Kasse im Supermarkt! Ich fantasiere noch eine Weile weiter, doch plötzlich sticht mir eine andere Anzeige ins Auge: erotische Masseurin. Im Text steht ganz deutlich „kein Geschlechtsverkehr”. Ist das vielleicht was für mich? Kann ich das denn? Bin ich hübsch genug? Will denn überhaupt jemand von mir massiert werden und auch noch dafür bezahlen?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Im Rekordtempo schreibe ich eine E-Mail, kurz – wahrscheinlich wird es doch nichts – und deutlich.

Ich gebe ganz klar an, dass ich kein Fotomodell bin und Größe 36 mir nicht passt, dass ich nicht einmal weiß, ob dieser Job das Richtige für mich ist, dass ich es aber gern ausprobieren würde. Minutenlang starre ich den Button „Versenden” an, bevor ich ihn mit Schmetterlingen im Bauch anklicke.

Am nächsten Morgen schmiere ich mir gerade ahnungslos mein Brot, als ich in meinem Augenwinkel sehe, dass das Display meines Handys aufleuchtet. E-Mail. MassageWelt. Oh nein. So schnell! Soll ich die Absage jetzt gleich öffnen oder später? Ich nehme mein Brot, mache mir eine Tasse Kaffee und setze mich angespannt hin.

Hallo Marieke,

toll, dass du daran interessiert bist, bei uns zu arbeiten!
Hast du Lust, am Donnerstag um 11:00 Uhr zu uns zu kommen, damit wir einander kennenlernen können?
Eine unserer Mitarbeiterinnen wird dir dann alles erklären und dich herumführen. Anschließend kannst du selbst beurteilen, ob dich der Job anspricht.
Und mach dir bitte keine Sorgen über Alter, Größe etc.: Jede Frau hat Ihre Stärken, für die es eine Zielgruppe gibt.
Gibst du uns noch kurz Bescheid, ob du kommst?

Mit freundlichen Grüßen
Sandy

Völlig überrumpelt antworte ich, dass ich kommen werde.
In zwei Tagen.
Oh mein Gott